Radfahrer fahren über rote Ampeln.Stimmt. Manche Radfahrer fahren manchmal über rote Ampeln. Aber warum?
Bei der Planung von Kreuzungen wird der Radverkehr nicht mitbedacht
An vielen Kreuzungen haben Radfahrende mehr Ampelquerungen als der motorisierte Verkehr. Radwege wechseln die Straßenseite, Fahrbahnteilungen die extra gequert werden müssen. Ein gutes Beispiel ist die Kreuzung am Bulgariplatz. Hier sind bis zu sechs Ampelphasen abzuwarten, während der Autoverkehr, egal in welcher Relation in einer oder zwei Grünphasen die Kreuzung queren kann. Dieser bekommt noch dazu meist noch eine optimierte Ampelschaltung mit grüner Welle. Oft besteht meine Fahrtzeit mehr aus Warten an Ampeln, als tatsächlichen Fahren.
Bei Rot auf einen Radweg rechts abbiegen
Häufig passiert es auch, das Radfahrer vor Ampeln gestellt werden, die für sie eigentlich bedeutungslos sind. Wenn rechts von der Kreuzung ein Radweg weiterführt, dann ist die Ampel für die Straße für mich eigentlich irrelevant. Legal kann man hier weiterkommen, in dem man das Rad einfach auf den Radweg rüberschiebt.Die Ampel schaltet rot, Autofahrer haben noch grün
Wenn keine separate Radfahrer und Fußgängerampel existiert dann orientieren sich die Räumzeiten der Fahrbahn natürlich an einem langsamen Fussgänger. Die Ampel schaltet schon im vorhinein auf Rot, damit niemand mehr die Fahrbahn betritt und sie frei ist wenn der Querverkehr losfährt.
Dies bedeutet natürlich, das auch ein flotter Radfahrer, der die Kreuzung mindestens so schnell wie ein langer LKW wieder verlassen kann, vor einer roten Ampel steht.
Am Rad sieht man mehr und ist wendiger
Im Vergleich zu einem KFZ schiebt man am Rad nicht ein Meter Fahrzeug vor sich her, bis man in eine Kreuzung einsehen kann. Auch die Sitzposition ist erhöht und sorgt für besseren Überblick. Das eigene Fahrzeug behindert die Sicht nicht. Das Gehör ist nicht durch eine Karosserie und Motorengeräusch eingeschränkt. Des weiteren kann man die Kreuzung schnell verlassen.
Grün ist auch nicht ungefährlich
Die meisten Rechtsabbiegeunfälle passieren während der Radfahrende grün hat, generell kann man am Fahrrad nicht blind auf Grün oder Vorrang vertrauen - man wäre schnell der zweite. Ohnehin muss man also immer aufmerksam fahren.
In einer Stadt ohne Autos könnte man sich die Ampeln sparen
Nichtmotorisierter Verkehr braucht keine Ampeln, erst durch die höheren Geschwindigkeiten und Massen des Autoverkehrs wird der Mensch überfordert und kann sich nicht mehr mit anderen Verkehrsteilnehmern arrangieren.Ich hoffe, ich konnte mit diesem doch kontroversiellen Beitrag ein bisschen Verständnis erzeugen.