Mittwoch, 27. November 2019

Radfahrer fahren über rote Ampeln

Radfahrer fahren über rote Ampeln.
Stimmt. Manche Radfahrer fahren manchmal über rote Ampeln. Aber warum?

Bei der Planung von Kreuzungen wird der Radverkehr nicht mitbedacht

An vielen Kreuzungen haben Radfahrende mehr Ampelquerungen als der motorisierte Verkehr. Radwege wechseln die Straßenseite, Fahrbahnteilungen die extra gequert werden müssen. Ein gutes Beispiel ist die Kreuzung am Bulgariplatz. Hier sind bis zu sechs Ampelphasen abzuwarten, während der Autoverkehr, egal in welcher Relation in einer oder zwei Grünphasen die Kreuzung queren kann. Dieser bekommt noch dazu meist noch eine optimierte Ampelschaltung mit grüner Welle. Oft besteht meine Fahrtzeit mehr aus Warten an Ampeln, als tatsächlichen Fahren.

Bei Rot auf einen Radweg rechts abbiegen

Häufig passiert es auch, das Radfahrer vor Ampeln gestellt werden, die für sie eigentlich bedeutungslos sind. Wenn rechts von der Kreuzung ein Radweg weiterführt, dann ist die Ampel für die Straße für mich eigentlich irrelevant. Legal kann man hier weiterkommen, in dem man das Rad einfach auf den Radweg rüberschiebt.

Die Ampel schaltet rot, Autofahrer haben noch grün

Wenn keine separate Radfahrer und Fußgängerampel existiert dann orientieren sich die Räumzeiten der Fahrbahn natürlich an einem langsamen Fussgänger. Die Ampel schaltet schon im vorhinein auf Rot, damit niemand mehr die Fahrbahn betritt und sie frei ist wenn der Querverkehr losfährt.
Dies bedeutet natürlich, das auch ein flotter Radfahrer, der die Kreuzung mindestens so schnell wie ein langer LKW wieder verlassen kann, vor einer roten Ampel steht.

Am Rad sieht man mehr und ist wendiger

Im Vergleich zu einem KFZ schiebt man am Rad nicht ein Meter Fahrzeug vor sich her, bis man in eine Kreuzung einsehen kann. Auch die Sitzposition ist erhöht und sorgt für besseren Überblick. Das eigene Fahrzeug behindert die Sicht nicht. Das Gehör ist nicht durch eine Karosserie und Motorengeräusch eingeschränkt. Des weiteren kann man die Kreuzung schnell verlassen.

Grün ist auch nicht ungefährlich

Die meisten Rechtsabbiegeunfälle passieren während der Radfahrende grün hat, generell kann man am Fahrrad nicht blind auf Grün oder Vorrang vertrauen - man wäre schnell der zweite. Ohnehin muss man also immer aufmerksam fahren.
 

In einer Stadt ohne Autos könnte man sich die Ampeln sparen

Nichtmotorisierter Verkehr braucht keine Ampeln, erst durch die höheren Geschwindigkeiten und Massen des Autoverkehrs wird der Mensch überfordert und kann sich nicht mehr mit anderen Verkehrsteilnehmern arrangieren.

Ich hoffe, ich konnte mit diesem doch kontroversiellen Beitrag ein bisschen Verständnis erzeugen.


Freitag, 11. Oktober 2019

Radlerkummer im Bulgariplatzviertel

Hier eine Auflistung von Problemstellen im Bulgariplatzviertel



Fehlende Radinfrastruktur auf der Wiener Strasse zwischen Unionstraße und Bahnunterführung

Die Wiener Straße ist eine der Hauptverbindungen vom Viertel in die Stadt. Leider ist ab der Unionstraße die Tempo 30 Zone aus, und das bei viel Verkehr und ohne Radinfrastruktur. Erst ab der Unterführung gibt es durch Initiative der Radlobby OÖ einen nicht benützungspflichtigen Geh und Radweg.

Hier würde zumindest eine Verordnung von Tempo 30 und das Markieren von Sharrows dem Radverkehr sehr helfen. 

Fehlende Radinfrastruktur auf der Lastenstraße von Gürtelstraße bis Grüne Mitte

Hier fehlt einfach ein Radweg oder zumindest Sharrows.

Fehlende Radinfrastruktur auf der Unionstraße

Die Unionstraße ist die direkte Verbindung in die Stadt, wenn man von Leonding kommt. Die Stadtplanung meint zwar, für Radfahrende ist ein Umweg über die Breitwiesergutstraße zumutbar, die Erfahrung ist allerdings das erfahrene Radfahrer die Unionstraße wählen, und unerfahrene die Breitwiesergutstraße nicht finden.

Fehlende Radinfrastruktur auf der Hamerlingstraße

In der Hamerlingstraße fehlt, bis auf eine Nebenfahrbahn, Radinfrastruktur. Bei der Neugestaltung der Kreuzung an der Lastenstraße wurde die Anbindung des neuen Radwegs in der Friedhofstraße vergessen.

Lastenstraße

Radfahren auf der Busspur erlauben (der Radweg ist leider nur einseitig ausgeführt, mit unnötigen Seitenwechseln verbunden und für flotte Radfahrende nicht geeignet)

Kreuzung Gürtelstraße/Raimundstraße


< - durch die Vorrangänderung abfahrt vom Radweg jetzt sehr unübersichtlich 

Bitte warten für Radler im Volksgarten

Der Linzer Volksgarten ist vor allem bekannt aufgrund des Musiktheaters, der riesigen Bäume, des sehr diversen Publikums und vielleicht auch aufgrund der Parkgarage oder der Straßenbahnhaltestelle Goethestraße. Seit dem Bau des Musiktheaters wurde der Volksgarten allerdings auch zu einer wichtigen Radroute in Linz.

Verschlimmbesserung durch den Bau des Musiktheaters

Der früheren Führung des Radwegs durch die Blumau wurde durch das Musiktheater förmlich zugemauert. Es wurde auch kein passender Ersatz hergestellt - wie leider so oft im Linzer Radwegenetz führte diese Veränderung zu einer Verschlechterung der Route. Trotz Protest der Radlobby OÖ wurde der Radweg in einer gemischten Führung umgesetzt. Zusätzlich wurde noch am Platz gespart - gerade an der Ecke vor dem Musiktheater und bei der Ausfahrt in die Landstraße ist zu wenig Platz vorhanden.

Alle Jahre wieder - Blockade durch den Weihnachtsmarkt


Wenn dann noch ein Weihnachtsmarkt dazukommt ist die komplette Route unbenutzbar und nur erfahrene Radfahrende finden sich dann noch zurecht, indem sie große Umwege fahren. Die direkteste Route alternativ zum Weg durch den Volksgarten - die Volksgartenstraße - ist nämlich eine wenig befahrene, dreispurige Einbahn. Selbst in Fahrtrichtung ist die Fahrt, aufgrund der unklaren Spurverhältnisse, sehr unbequem. Es braucht schon ziemliches Selbstbewusstsein um sich hier auf die linke Spur durchzukämpfen, wo der Radweg dann weiterführt.

Beste Lösung - Radweg in der Volksgartenstraße

Um den Charakter des Volksgartens zu bewahren, zu gewährleisten das Veranstaltungen stattfinden können aber auch eine zuverlässige Verbindung durch den Volksgarten zu gewähren, sollte ein Radweg in der Volksgartenstraße gebaut werden.

Platz wäre dort genug, die Radfahrer wären so getrennt vom den Fussgängern. Radfahren in der Volksgartenstraße wäre dann auch gegen die Einbahn möglich. Gemütliche Radfahrende könnten weiterhin durch den Park fahren. 




Schauplatz Wiener Straße - Unfall oder Attacke?

Schauplatz: Wiener Straße stadteinwärts, nach der Kreuzung mit der Unionstraße

Ich fahre gerade von der Ampel weg, vor mir noch andere Radfahrer. Zügig steige ich in die Pedale, um pünktlich zum nächsten Termin zu kommen. Auf einmal lautes Hupen. Ich drehe mich um und werde langsamer - kein Problem zu erkennen. Also mache ich mich weiter meines Weges.

Auf einmal werde ich von rechts beschimpft - ein Auto ist auf der Busspur auf meine Höhe gefahren. Ich halte kurz an und versuche zu verstehen was los ist und die Situation zu klären. In diesem Moment fährt der Lenker los, und reißt mich dabei mit. Ich komme noch irgendwie zu stehen, mein Rad liegt auf der Straße.

Fast forward ...

Ich hab mich inzwischen zusammengepackt und mein Rad von der Straße geholt. Einige Zeugen haben den Vorfall gesehen, darum dreht das Auto um. Der Lenker bedroht mich. Ich versuche ihm klar zu machen das das durchaus anders ausgehen hätte können für mich. Die Polizei wird gerufen. Ich sage meinen Termin, zu dem ich wollte, mal ab.

Fast forward ...

Polizei kommt. Unfallkommando. Haben scheinbar besseres zu tun, und sind ziemlich sauer. 

Alkotest: 0.0



Was ist passiert? Autofahrer hat mich angehupt, wollte dann rechts vorbei, das ging sich nicht aus und dann hat er mich niedergestoßen. 
Bin ich verletzt? Schwierig zu sagen - bin im Schock. Polizist verdreht die Augen.
Wo sind sie gefahren? Rechts.
Warum hat das Fahrzeug sie dann nicht links überholt? Gegenverkehr.
Warum konnte sie das Fahrzeug rechts überholen? Hier ist eine Bushaltestelle, diese wurde benutzt.
Warum hat das Fahrzeug die Bushaltestelle benutzt? Da müssen sie den Lenker fragen.

Schaun sie, wenn sie nicht verletzt sind ist das a Unfall mit Sachschaden. Wir schreiben die Versicherung auf - fertig. Falls sie verletzt sind rufen sie mei Kollegin an.

Währenddessen organisiert der Autofahrer sich "Zeugen" aus der Bar und wird dafür vom Polizisten verwarnt.

Ich hab mich dann trotz blauer Flecken und Abschürfungen entschieden "nicht verletzt" zu sein... da doch nichts schlimmeres aufgetaucht ist. Ausserdem war ich zu dem Zeitpunkt gerade ziemlich im Stress und konnte mir nicht vorstellen eine Gerichtsverhandlung auch noch unterzubringen. Zusätzlich flüsterte meine eher depressive Stimmung das es eh nichts bringen würde.

Mei Radl ist auf jeden Fall das Opfer
  • Taschenhalterung hin
  • Lenker hin
  • Zahnrad hinten hin
  • Pedal hin
  • Sattel hin 
  • ...
Was bleibt ist der Gedanke ... man kann also sein tonnenschweres Fahrzeug ziemlich bewusst auf einen Radfahrenden lenken ohne dafür strafrechtlich verfolgt zu werden ... solange dieser dabei nicht verletzt wird. Und das ist ziemlich traurig.

Fazit der Geschichte übrigens: Ich musste mit meiner Rechtsschutzversicherung den Schaden erstreiten, diese hat dann gesagt es zahlt sich von den Prozesskosten her nicht aus und hat mir den Schaden pauschal ersetzt.




Samstag, 26. Dezember 2015

Donauradweg von Puchenau nach Ottensheim

Wenn man den normalerweise gut ausgebauten Donauradweg gewohnt ist, dann wird man auf der Strecke von Puchenau nach Ottensheim eine herbe Überraschung erleben. Dieser Teil der Strecke führt nämlich, wie extra auf Schildern angegeben, direkt "neben der stark befahrenen B127" entlang.

Es gibt diesen Radweg, und das war es. Auf der anderen Seite gibt es nur eine Bundesstraße, und unten an der Donau führt zwar ein Treppelweg entlang, der aber nur für Fußgänger vorgesehen ist.

Bei der aktuellen Radwegführung gibt es einige Probleme, die einer Hauptradroute unwürdig sind:
  • Nachrang bei Kreuzungen: Bei fast jeder Kreuzung hat man durch Radwegende Nachrang gegenüber dem Autoverkehr. (ausführen). Teilweise wird sogar für Einbahnen, Hauseinfahrten und Tankstellen Nachrang beschildert. Somit wird sichergestellt, das wenn es zu einem Unfall kommt, der Radfahrer schuld ist.
  • Sicht bei Nacht: In der Nacht fahren viele Autos mit Fernlicht. Für Radfahrer wird oft nicht abgeblendet, wodurch man entweder sehr oft stehenbleiben muss, oder Kollisionen mit anderen Radfahrern riskiert. Weiters sind am Radweg durch die Parkplatzbuchten starke Kurven eingebaut, die man in der Nacht leicht übersieht, weil sie überhaupt nicht markiert sind.
  • Lärm: Der Lärm der vorbeifahrenden Fahrzeuge macht ein gemütliches Fahren unmöglich. Es ist nicht möglich sich mit seinem Mitfahrern auszutauschen, wenn gerade Autos vorbeifahren versteht man nicht einmal kurze Zurufe.
  • Führung als Geh und Radweg mit Engstellen: Der Radweg wird fast auf der ganzen Strecke als Geh und Radweg geführt. Dies ist auf den Landstraßenteilen bei guter Sicht kein Problem, allerdings wird der Radweg auch sehr knapp an Hauseinfahrten und Haustoren vorbeigeführt, auf einem Gehsteig der vielleicht 1,5 m breit ist.

Was wäre möglich?

Verbesserung der existierenden Strecke

  • Vorrang Adaptierungen - Durchgehender Vorrang für den Radverkehr
  • Lärmschutzwand und Blendschutz gegen den Verkehr
  • Markierung der Strecke mit Seitenlinien für bessere Erkennbarkeit in der Nacht

Radweg am Treppelweg

Ein Radweg am Treppelweg wäre wohl die beste Lösung. Allerdings ist der Treppelweg auch ein schöner, naturbelassener Fleck. Hier wäre es wahrscheinlich möglich mit feinen Verbesserungen eine gute Radroute für den touristischen Verkehr zu erreichen, und so den Radweg entlang der Straße zu entlasten.

Radweg auf der Wilheringer Seite

Im Hauptradroutenkonzept Großraum Linz war der Radweg auf der anderen Donauseite noch fix eingeplant. Leiter wurde der Plan aus Kostengründen verworfen - die Gemeinde Leonding, die die meisten Kosten zu zahlen hätte, wollte scheinbar nicht mitmachen.

Alternativen

Weite Umfahrung über Leonding nach Asten

Eine andere Alternative für diesen Abschnitt ist eine Umfahrung über Leonding und Wilhering.

Steyregger Brücke - Are you dead yet?

Die Steyregger Brücke ist den meisten Linzern warscheinlich nur als Autoverbindung bekannt. Und wahrlich, zum Radfahren lädt sie nicht ein. aber möglich ist es. Leider nur auf Mehrzweckstreifen neben einer Straße auf der 100 km/h erlaubt sind, und oft bis zu 120 km/h gefahren werden.

Auf dem Mehrzweckstreifen liegen die üblichen Überreste einer Straße auf der schnell gefahren wird: Zerbrochenes Glas und Autoteile. Diese vermitteln einem Radfahrer nicht nur ein unsicheres Gefühl, sondern sie sind auch gefährlich. Leicht kann es auf der Strecke zu einem Platten kommen.

Als Verbindung zum Naherholungsgebiet bei den Donauauen, für Pendler nach Steyregg oder auch um Mountainbikern den Pfennigberg ein wenig näher zu bringen wäre die Strecke optimal. Ich bin allerdings der Meinung das viele Radfahrer von der Strecke abgeschreckt werden.

Ich bitte wenigstens um bessere Markierungen für die Radfahrstreifen, vor allem auf der Steyregger Seite. Auch für die Auffahrten vom Donauradweg wären Richtungsmarkierungen angebracht, es braucht einiges an Erfahrung um die Auffahrt zu finden, die einem dann auf die richtige Fahrspur bringt.

Optimal wäre allerdings eine Verlegung des Radwegs hinter eine weiter in die Straße hineinverlegte Leitplanke, und eine zusätzliche Radfahrerbrücke über den Kanal in den Donauauen. Das dass allerdings Phantasien sind, weiß ich durch meine Erfahrungen mit den Linzer Behörden.

Update: 2016 soll es einen Umbau der Steyregger Brücke geben, bei der Generalsanierung soll auch der Radweg behandelt werden. Hoffen wir das Initiativen wie die Radlobby Oberösterreich und andere Vereine zur Förderung umweltfreundlicher Mobilität hier rechzeitig eingebunden werden.